Jugendliche

Die erste Arbeitserfahrung im Rahmen von LIFT ist eine Referenz bei der späteren Lehrstellensuche. Viele Jugendliche haben dank positiver Empfehlungen aus den LIFT-Einsätzen oder eines guten Arbeitszeugnisses eine Lehrstelle gefunden – zum Teil direkt am Wochenarbeitsplatz.

Das LIFT-Projekt hat mich, nachdem es uns vorgestellt wurde, sehr interessiert. Deshalb habe ich mich für eine Teilnahme entschlossen. Ich bin nun etwas mehr als ein Jahr in der Schweiz und habe schon recht gut Deutsch gelernt.

Zuerst haben wir in verschiedenen Lektionen besprochen, was bei der Arbeit wichtig ist. Nun wurde es spannend. Die Wochenarbeitsplätze wurden zugeteilt. Ich konnte mich bei einer Werkzeugbau-Firma melden. Ich musste mich vorgängig dort vorstellen und alles besprechen. Ich musste telefonisch einen Termin vereinbaren. Aber das war schwierig für mich und so ging ich einfach vorbei. Aber niemand hatte Zeit. Nun half mir meine LIFT-Kontaktlehrperson, und so gelang es, einen Termin abzumachen. Die Chefin zeigte mir dabei die Firma. Die Formalitäten waren rasch erledigt und so hatte ich am 13. September 2017 meinen ersten Tag.

Da ich die Räumlichkeiten schon kannte, konnte es sofort losgehen. Ich musste eine grosse Halle putzen. Mit dem Staubsauger und den Reinigungsgeräten konnte ich gut umgehen. Es war aber ein bisschen mühsam. Aber ich liess mir nichts anmerken. Danach hat mir ein Mitarbeiter, der seit etwa fünf Monaten dort arbeitet, viele neue Informationen über Polymechaniker erzählt und gezeigt. Neben unterschiedlichen Aufräumarbeiten durfte ich später auch bei einigen Arbeitern mithelfen. Mit der Zeit lernte ich die Abläufe an verschiedenen Maschinen kennen. Jetzt kann ich sogar selber an einer Maschine arbeiten. Ich finde diese Arbeiten spannend.

Ich habe den Eindruck, dass ich in der Firma gut aufgenommen wurde. Vor den Weihnachtsferien erhielt ich den ganzen Lohn für meine Einsätze. Die Chefin hat sogar noch etwas aufgerundet. Das hat mich sehr gefreut.

Unterdessen gehe ich auch am Samstag in der Firma arbeiten. Die Wochenrückmeldungen sind immer gut und es gefällt mir so gut, dass ich für eine zweite Sequenz im Betrieb bleiben darf. Es ist schade, dass sie an meinem Wochenarbeitsplatz keine Lehrlinge ausbilden. Ich hätte vielleicht eine Chance, wenn ich im Verlauf meiner Schulzeit weiterhin noch fleissig Deutsch lerne. Ich bin fast sicher, dass ich aber bei der Lehrstellensuche meinen Betreuer im Betrieb als Referenz angeben kann. Ich werde ihn schon bald fragen.

Shayna sagt die Dinge gerne geradeaus. Sie findet es nicht fair, dass nur Schüler mit guten Noten Lehrstellen bekommen. Toll arbeiten können nämlich auch die anderen. So wie sie.

Schon bevor Shayna in die 7. Klasse kam, hatte sie von LIFT gehört und wusste, dass sie mitmachen wollte. Damals hatte sie Schwierigkeiten in Deutsch, besonders im Schreiben, und in Mathe und kam in eine Kleinklasse.

Heute sitzt Shayna am runden Tisch im Klassenzimmer, schaut selbst bewusst und erzählt entspannt. Vor LIFT wäre das noch anders gewesen. Zuerst hat sie in einem Dorfladen gearbeitet, danach bei einem Floristen, immer am Donnerstagnachmittag, immer drei Stunden. Milchprodukte einräumen, mit verspäteten Lieferungen umgehen, mit Zeitdruck zurechtkommen, Blumensträusse binden, den Laden dekorieren. Ihren Eltern sagen die Betriebe, dass Shayna bei der Sache sei und sehr gut arbeite. Sie selbst weiss jetzt, was nach der Schule auf sie zukommt.

«Ich will etwas Kreatives machen, etwas mit meinen Händen», ist sie sich sicher. Sie näht gerne und hat die Schneiderschule in Kreuzlingen ins Auge gefasst. Die Aufnahmeprüfung fällt ins zweite Semester des 9. Schuljahrs. Wenn sie es nicht auf Anhieb schafft, macht sie das 10. Schuljahr und nochmals die Prüfung. Dann wisse sie ja schon, was sie erwarte.

Zeigen dürfen, was man kann
Shayna weiss, dass nicht nur starke Schüler etwas können. Es sei unfair, dass die mit den guten Noten überall bevorzugt würden und so einfach Lehrstellen bekämen. Sie findet, dass jeder Mensch etwas kann und auch etwas bewirken kann. «Man muss es vor allem wirklich wollen.» Der wichtigste Schritt sei es, überhaupt zur Arbeit zu erscheinen. Und dann könnten gerade schwache Schüler zeigen, was sie draufhaben.

Sie macht diesen Sommer eine Schnupperlehre – zwei Tage pro Woche beim Floristen. Träumt aber von der Schneiderschule. «Alles fängt mit einem kleinen Schritt an. Und wenn es eine Niederlage gibt, muss man es wieder probieren.»

Sofia Pozzo weiss schon, dass sie ihren Weg finden wird, auch wenn sie nicht aufs Gymnasium geht. Sie hat verstanden, dass schlechte Noten in Mathe und Deutsch im Grunde nichts weiter bedeuten. Vor allem, wenn man wie sie viel anderes zu bieten hat.

Sofia Pozzo ist 15 Jahre alt und besucht das vierte Jahr einer Mittelschule in der Gemeinde Lugano. Sie ist in Mexiko-Stadt geboren, wo sie fünf Jahre gelebt hat. Die ersten beiden Schuljahre hat sie in Schanghai an einem englischen Institut verbracht. Gerade ist sie von einem zweiwöchigen Sprachaufenthalt in London zurückgekehrt. Bis vor kurzem hat sie nicht so zuversichtlich in die Zukunft geblickt; ihre schlechten Noten in Deutsch und Mathe haben ihr Sorgen gemacht.

«Mir geht es gut, wenn ich anderen helfen kann.»
Sofia ist sehr hilfsbereit und aufgeschlossen und kann sich auch vorstellen, im sozialen Bereich zu arbeiten. Das Praktikum in einem Kinderhort für Zwei- bis Dreijährige hat Sofia gefallen. Sie hat den Kindern Geschichten vorgelesen, sie auf dem Spielplatz begleitet und ein gutes Verhältnis zu den Erzieherinnen aufgebaut. Und vor allem fand sie die Kinder süss und hat sie dank ihrer Empfindsamkeit mit anderen Augen gesehen.

Der LIFT-Wochenarbeitsplatz in einer Apotheke war ihre erste Berührung mit der Berufswelt. «Der Kontakt zu den Erwachsenen und zu den anderen Praktikantinnen hat mich am meisten bereichert.» Sofia hat die Freundlichkeit der Mitarbeitenden sehr geschätzt. Und die vielfältigen Aufgaben, die man ihr anvertraut hat, bezeichnet sie als lehrreich: Gestaltung der Auslage im Schaufenster, Hauslieferungen, Einordnen der Medikamente und vieles mehr. «Ich habe auch gelernt, wie ich mein Tagesprogramm aus Praktikum, Schule und Prüfungen am besten organisiere.» Heute weiss sie, dass es noch wichtigere Dinge gibt als Deutsch und Mathe.

“Am Anfang dachte ich, eher im Detailhandel zu arbeiten, aber jetzt merke ich, dass mir die Arbeit im Sanitärbereich Spass macht, auch wenn man sich die Finger schmutzig macht.

Es ist eine abwechslungsreiche Arbeit. Viele Arbeiten erledige ich inzwischen selbst. Man gibt mir den Auftrag, eine Aufgabe in einer bestimmten Zeit auf eigene Verantwortung zu erledigen. So habe ich z.B. schon eine Gartenleitung gelegt.“

„Bevor ich am LIFT-Projekt teilgenommen habe, war ich in der Schule eher für mich. Jetzt mache ich mehr mit den anderen und helfe ihnen auch, wenn sie etwas nicht verstehen. Ich bin ausserdem fleissiger geworden und erfülle meine Aufgaben in der Schule besser.“

„Nein, es stört mich nicht, in meiner freien Zeit arbeiten zu gehen. Im Gegenteil, man kann etwas es lernen. Und man merkt, ob es zu einem passt oder nicht. Wenn ich ganz ehrlich bin, dann gehe ich inzwischen lieber arbeiten. Ich finde es ‚cool’, mit Erwachsenen zu arbeiten oder nach Feierabend miteinander zu reden.“

Nach der Schule möchte Steven eine Lehre antreten, am liebsten dort, wo er jetzt seinen Wochenarbeitsplatz absolviert. Er ist optimistisch, dass das klappen wird. „Ohne LIFT wäre ich nicht so weit gewesen, eine Bewerbung zu schreiben. Und es lohnt sich auf jeden Fall, bei LIFT mitzumachen, weil man lernt, mit Erwachsenen zu arbeiten.“

“Mir hat das LIFT-Projekt sehr gut gefallen, weil ich finde, dass es uns für später hilft, weil wir sehen, ob es wirklich das ist, was wir werden möchten.

Man wird mit der Zeit immer offener und man lernt sehr viele neue Sachen über den Beruf. Es kommt aber auch darauf an, wie unsere Betreuer und Betreuerinnen sind. Ich fand es toll, dass meine Betreuerin so freundlich und hilfsbereit war und vor allem, dass sie so viel Geduld hatte, die Sachen 2-3 mal oder sogar mehrmals zu erklären.

Bei diesem Projekt lernen wir sehr viele Sachen über das Arbeiten, die wir später brauchen werden. Wie z.B. beim Schnuppern! Wenn man später schnuppern geht, dann hat man schon sehr viel Übung und fühlt sich sehr gut, weil man so viele Sachen schon kann und man es besser kann als beim ersten Mal, als man es gemacht hat. Und ich glaube, das kommt gut an, weil sie sehen, dass wir uns interessieren und neue Sachen lernen wollen und die Berufswelt kennen lernen wollen.

Also ich persönlich würde dieses Projekt weiter empfehlen!”

Stefanie

“In meinem Betrieb lerne ich z.B. wie man Waren mit einer Preismaschine anschreibt. Die meiste Zeit verbraucht man bei der Wareneinfüllung. Man muss Kisten aus dem Lager holen, das etwa 15m entfernt von dem Laden ist. Danach bringt man die Kisten in den Laden und legt die Waren in die Regale, wo es noch Platz hat.

Seit ich bei diesem Projekt mitmache, bin ich selbstsicherer geworden. Wenn man Spass hat an der Arbeit, geht die Zeit schnell vorbei. Wenn nicht, dauert es eine halbe Ewigkeit. Ich habe sehr viel Spass an der Arbeit, weil mir die Leute sehr sympathisch und nett sind.”

Nabil

“Ich arbeite in einem Textil-Reinigungsgeschäft. Es ist ein italienisches Geschäft und die Arbeiter dort sind drei. Dort kann ich meine Deutschkenntnisse üben durch Kundenkontakt und meine Höflichkeit zeigen. Dort arbeite ich meistens mit Kleidung. Die Kleidung wird dort gereinigt oder genäht. Manchmal hat es keine Arbeit im Geschäft oder keine Kunden kommen und dann machen wir eine kleine Pause und trinken Kaffee.

In diesem Geschäft macht es mir sehr viel Spass und ich gehe glücklich dort hin. Dort gefällt es mir, weil der Chef und die Mitarbeiter sehr nett und hilfsbereit sind. Der Ort, wo ich arbeite, ist nicht in mein Wunschberuf, aber dort gehe ich mit sehr viel Motivation und lerne, offen und ohne Scheu auf Menschen zugehen.

Dieses LIFT-Projekt hat mich ein bisschen verbessert, andere Leute aus der Schule kennen zu lernen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Ich muss noch viel üben für das Deutsch und ich denke, dass mit diesem Geschäft ich es schaffe mich zu verändern.”

Giuseppe