Schulen

Grundsätzliche kann jede Schule das LIFT-Programm übernehmen, unabhängig von Grösse oder Standort. LIFT lässt sich flexibel auf alle Schulverhältnisse anpassen und kann für alle Beteiligten einen Mehrwert bedeuten.

Seit 2013 gibt es LIFT an der Sekundarschule Sirnach. Als Fachlehrerin Hauswirtschaft, heute WAH (Wirtschaft, Arbeit, Haushalt) war ich nicht stark in den Prozess „Berufswahl“ integriert. Die Zukunft meiner Schülerinnen und Schüler interessierte mich aber sehr. So meldete ich mich 2012 in die Arbeitsgruppe LIFT an unserer Schule. Durch äussere Umstände – Wechsel von Schulleiter und Todesfall von neuem Schulleiter, Auflösung der Arbeitsgruppe – war ich plötzlich alleine für LIFT verantwortlich.

Mit elf Jugendlichen startete ich im Oktober 2013 als Modulleiterin. Bei der WAP-Akquisition konnte ich auf die Unterstützung von Myrta Klarer als gut vernetzte Gewerbefrau im Südthurgau und ehemalige Kantonsrätin zählen. Der Aufbau und die Pflege der WAP ist eine anspruchsvolle und zeitintensive Arbeit. Nur durch die Vorstellung des Jugendprojekts LIFT beim Gewerbe und durch persönliche Gespräche können neue WAP gewonnen werden.

Unterdessen bin ich für 17 Jugendliche zuständig als Modulleiterin und WAP-Koordinatorin. So habe ich alle Fäden in der Hand, was sicher Vorteile bringt, aber auch sehr zeit- und arbeitsintensiv ist. Die vielen erfreulichen Rückmeldungen aus den WAP, positive Schnupperlehrberichte, Komplimente und Dank der Lehrpersonen und die unterschriebenen Lehrverträge meiner LIFT-Jugendlichen zeigen mir den Erfolg von LIFT Sirnach. Das macht mich stolz und glücklich, dass ich für LIFT in Sirnach verantwortlich bin.

Weitere Informationen zu LIFT Sirnach sind nachzulesen in meiner Zertifikationsarbeit für den CAS Berufswahlcoach an der Pädagogischen Hochschule Thurgau.

Béatrice Brunschwiler

Projekt- und Modulleitung LIFT
Sekundarschule Sirnach

In der Berufswahl an unserer Schule bestanden bisher zwei Problematiken: Eine der grössten Aufgaben besteht jeweils darin, bis zum Ende der 3. Sek mit jeder Schülerin und jedem Schüler zusammen eine Anschlusslösung zu finden. Das Engagement der Lernenden selber und ihrer Erziehungsberechtigten ist teilweise ungenügend. Da an unserer Sekundarschule sehr pflichtbewusste und engagierte Lehrpersonen arbeiten, übernehmen diese in vielen Fällen den gesamten Teil der Lehrstellensuche oder der Organisation einer Anschlusslösung.

Die zweite Problematik bestand darin, dass die Schule mit dem lokalen Gewerbe zu wenig vernetzt war. Diese Schnittstelle wartete seit ein paar Jahren auf eine Verbesserung. Mit dem Jugendprojekt LIFT sahen wir die Möglichkeit, zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen zu können. Die Planung, Finanzierung und Umsetzung von LIFT gelang uns dank einer innovativen Arbeitsgruppe, einsichtigen und unterstützenden Behörden sowie Sponsoren, die uns das erste Betriebsjahr zu gut der Hälfte finanzierten.

Die Dagmerseller Version von LIFT war im ersten Jahr bereits ein grosser Erfolg. Es nahmen mehr Jugendliche teil, als wir für dieses Pilotjahr eingeplant hatten. Einen Stein in den Weg legte uns lediglich das Arbeitsgesetz, welches für unter 13-Jährige die Arbeit am WAP verbietet. Die Betroffenen mussten später einsteigen und können nun ihren zweiten WAP schliesslich mit der nächsten LIFT-Gruppe absolvieren.

Die von uns angefragten Firmen standen dem Projekt fast durchwegs sehr positiv gegenüber und gaben uns beim Abschlussapéro sehr gute Rückmeldungen. Es scheint nicht nur für die teilnehmenden Jugendlichen ein Gewinn zu sein, sondern auch für die beteiligten Betriebe.

Wir stellen nach nur einem Jahr bei den Lernenden im Projekt fest, dass ihr Interesse an der Arbeitswelt zugenommen hat und sie etwas an Selbstvertrauen und Selbstsicherheit gewonnen haben. Nun können wir nur hoffen, dass das Projekt nachhaltig wirkt und die Suche nach den Anschlusslösungen bei den künftigen Jahrgängen einfacher über die Bühne geht.

Roland Höltschi
Projektleiter LIFT Dagmersellen

Malie* ist handwerklich begabt und sehr ausdauernd. Sie stammt aus einem asiatischen Land und ist erst seit einem guten Jahr in der Schweiz. Da sie kaum Hilfestellung von zu Hause erwarten kann und noch über wenige Deutschkenntnisse verfügt, wird sie im LIFT-Programm angemeldet.

Ihr Lieblingsfach ist Zeichnen. So wird sie in eine Modul‐Gruppe eingeteilt, welche dieses Fach nicht tangiert. An ihren Wochenarbeitsplätzen fallen ihr Fleiss und ihr Durchhaltewillen auf. Auch mühsame Arbeiten wie jäten oder abstauben erledigt sie klaglos und exakt. Im Modulunterricht kann sie jedoch sehr wohl benennen, was ihr gefällt und was nicht. Das kann bestimmte Tätigkeiten betreffen, den Umgang der Mitarbeitenden untereinander oder auch den Arbeitsweg. Nach vier Arbeitseinsätzen ist ihr Traumberuf klar.

Zwei gemeinsame Besuche mit der Modulleiterin auf dem BIZ zeigen wegen der mangelhaften Deutschkenntnisse ihre momentanen Grenzen auf. Sie findet eine EBA-Lehrstelle in einem verwandten Beruf und ist fest entschlossen, ihren Berufswunsch später zu verwirklichen. Im letzten Semester ihrer Schulzeit besucht sie einen Deutsch‐Konversationskurs, der schulintern angeboten wird. So ist sie fit für den Arbeitsmarkt und ihrem Ziel, möglichst bald finanziell unabhängig zu sein, ein gutes Stück näher gerückt.

In dieser ganzen Zeit fand ein intensiver Kontakt zwischen LIFT, Klassenlehrer, Arbeitgebenden, Fachlehrerinnen und BIZ statt. Vernetzung und Kommunikation können den Erfolg erheblich verbessern.

*Name geändert

Katharina Michel
LIFT-Modulleiterin und WAP-Betreuerin Amriswil

Das Arbeiten im LIFT-Kontext ist für alle Beteiligten vielseitig und abwechslungsreich. Schülerinnen und Schüler setzen sich beim Eintritt in die LIFT-Klasse zuerst mit sich selbst und ihrer Wirkung auf andere auseinander. Im Hinblick auf künftige Bewerbungen wird das Auseinandersetzen mit den eigenen Stärken und Schwächen thematisiert. Dies braucht Mut und Offenheit.

Das Arbeiten an einem Wochenarbeitsplatz (wir nennen ihn kurz WAP) ist der Beginn der nächste LIFT-Phase: Der Eintritt in die Berufswelt beginnt mit einem 3-monatigen Arbeitseinsatz am schulfreien Nachmittag. Für die Schülerinnen und Schüler ist dies wohl der wichtigste und aufregendste Teil im ganzen LIFT-Programm. Die Erfahrung, dass in Betrieben Regeln und Umgangsformen gelten, die sie in dieser Konsequenz bisher so nicht kannten, gibt innerhalb der LIFT-Klasse immer wieder Anlass zu Diskussionen. Der von uns LIFT-Coaches angeleitete Austausch verhilft, solche Erfahrungen zu integrieren. In dieser Phase ist das konkrete Involvieren der Eltern entscheidend.

Die dritte und letzte LIFT-Phase beinhaltet für die LIFT-Schüler und –Schülerinnen die Auseinandersetzung mit der zukünftigen Lehre. Beim Entscheid, welche Lehre zu einem Jugendlichen passt, unterstützt das BIZ Jugendliche wie auch deren Eltern mit Beratungsgesprächen und Berufsinformationen. Das Schreiben von Bewerbungen, zuerst für einwöchige Schnupperlehren und später für eine Lehrstelle, erfolgt unter Anleitung der LIFT-Coaches.

In Hombrechtikon arbeiten wir mit 3 LIFT-Coaches und entsprechend 3 Coaching-Gruppen. Wesentlichen Einfluss auf einen gelungenen Übergang von der Schule zur Lehre haben in diesem Prozess das Engagement der Eltern sowie eine gute Vernetzung zwischen Eltern, WAP-Betrieb und LIFT-Coach.

Die Suche nach geeigneten Wochenarbeitsplätzen ist aufwändig. Die Unterstützung durch Schlüsselpersonen der Executive, der Gemeindeverwaltung, von Exponenten politischer Parteien und des Gewerbeverbandes kann diesen Prozess vereinfachen. Dank der tatkräftigen Mitwirkung dieses Personenkreises wird LIFT langfristig sichergestellt.

Der Erfolg von LIFT liegt oft im Kleinen, wie der zwischenmenschlichen, das Selbstbewusstsein stärkenden Begegnung. Er lässt sich aber auch in Fakten und Zahlen ausdrücken, so, wie für das im Sommer 2013 zu Ende gehende 9. Schuljahr: Von fünf LIFT-Schülerinnen und –Schülern fanden vier dank LIFT per Ende Mai 2013 eine Lehrstelle – davon zwei direkt am Wochenarbeitsplatz.

Solche Erfolge zeigen, was eine sozial verantwortliche Wirtschaft, überdurchschnittlich engagierte Schulen und – last but not least – die professionelle Unterstützung durch die Geschäftsstelle LIFT, zu leisten vermögen. Ich freue mich, Teil dieser Organisation zu sein!

Peter Lüthi
Supervisor und Organisationsberater – Coach
LIFT-Team der Schule Hombrechtikon

LIFT sei Dank

„Liebe Leonie, du hast dich bei uns toll eingesetzt und alle Aufgaben bestens erledigt. Du bist ein ganz wertvoller Mensch und für dein Alter sehr ausgeglichen und reif. Du hast dir mit deiner zuvorkommenden, freundlichen Art die Sympathie und den Respekt aller Mitarbeitenden verdient. Mach weiter so! Ich wünsche dir für die Zukunft alles Gute und für deine Lehre viel Freude und Erfolg!“

Wenn solche Worte eines Betreuers in der WAP-Beurteilung geschrieben werden, sind wir in der Kleinklasse der Sekundarschule Aadorf zusammen mit LIFT bestimmt auf dem richtigen Weg. Alle austretenden Schülerinnen und Schüler haben durch Wochenarbeitsplätze und einer umfassenden Betreuung ihre Lehrstelle gefunden.

Das LIFT-Projekt wird seit 4 Jahren in Aadorf umgesetzt. Als Klassenlehrer und verantwortlicher lokaler Projektleiter kann ich mir eine erfolgreiche Arbeit in der Berufswahl für meine sonst benachteiligten Schülerinnen und Schüler ohne LIFT kaum mehr vorstellen.

Alle Beteiligten sind stolz auf ihren wöchentlichen Arbeitsplatz und arbeiten deshalb auch sehr motiviert in den restlichen Schulstunden. Diese Einstellung ist erfreulich und deshalb möchte ich den Verantwortlichen der LIFT-Geschäftsstelle in Bern sowie meinem Schulleiter und der Schulbehörde von Aadorf für die Unterstützung und das entgegengebrachte Vertrauen ganz herzlich danken.

Peter Gall
Kleinklassenlehrer der Sekundarschule Aadorf

Im Lehrplan 21 wird der Berufswahlprozess („Berufliche Orientierung“) als ein zentrales Thema der Sekundarstufe I bezeichnet. Zudem sollen sich sämtliche Schülerinnen und Schüler damit befassen müssen, damit sie befähigt werden, den Entscheid für ihre Anschlusslösung bewusst zu fällen. Was kann nun das Jugendprojekt LIFT in diesem wichtigen Bereich beitragen?

Aus LIFT-Sicht wird man so richtig fündig, wenn man sich in die didaktischen Hinweise vertieft. So wird es als umso gewinnbringender bezeichnet, je besser es gelingt, dass Jugendliche Erfahrungen in der Arbeitswelt machen können. Ausserschulische Aktivitäten, die die Berufswahlkompetenz fördern, sind durch die Schulen zu unterstützen. Die Auseinandersetzung mit sich selber und der Arbeitswelt wird gefordert und gefördert. Die Jugendlichen sollen sich Arbeitshaltungen und Fähigkeiten aneignen, damit sie den Anforderungen der Berufs- und Arbeitswelt gewachsen sind. Erwähnt sind u.a. Belastbarkeit, Leistungsbereitschaft, Flexibilität, Pünktlichkeit und Sorgfalt. Schülerinnen und Schüler sollen lernen, mit schwierigen Situationen und Rückschlägen umzugehen. In Kooperation mit inner- und ausserschulischen Partnern erfahren sie Unterstützung für die ersten Schritte ihrer beruflichen Laufbahn. Eine regelmässige formative Beurteilung soll sie in der Berufswahlreife unterstützen.

Fazit: LIFT erfüllt sowohl heute als auch im Lehrplan 21 eine zentrale Funktion. In vielen Bereichen ist es ein wichtiger Mosaikstein auf dem Berufswahlweg. Man müsste konsequenterweise LIFT sogar für alle Schülerinnen und Schüler anbieten. Doch dies ist nicht im Sinne des Projektes. LIFT bleibt ein Integrations- und Präventionsprojekt für Jugendliche mit erschwerender Ausgangslage. Und es unterstützt dabei in ausgesprochen hohem Masse die Zielsetzungen des Lehrplanes 21.

Hansruedi Hottinger
Ehem. Sekundarlehrer und Regionalkoordination Zürich/Innerschweiz

“Ich habe vor allem gespürt, dass ich entlastet bin mit den Schülern, die der Berufswahl hilflos gegenüber stehen. Da konnte ich wie loslassen und darauf vertrauen, dass die Begleiter des LIFT-Projekts denen unter die Arme greifen.”
Hannes Graf, Oberstufenlehrer Opfikon-Glattbrugg

 

„Ich bin vor 6 Jahren auf den LIFT-Zug aufgesprungen, und das war wirklich ein Glücksfall: 90% meiner Schüler haben eine Anschlusslösung gefunden. Und das wäre ohne das Projekt LIFT absolut unmöglich gewesen.“

„Von einem WAP-Betrieb haben wir gehört: ‚Er ist uns ans Herz gewachsen…‘. Soweit muss es kommen, dann haben auch die schwächeren Schüler eine Chance. Darum ist LIFT für mich auch eine Herzenssache.“
Peter Gall, Lehrer in Aadorf und lokaler LIFT-Projektleiter, Modulleiter und WAP-Koordinator

 

„Es gibt häufig Schüler, die unter – oder überfordert sind und dann disziplinarische Probleme verursachen – und so ergibt sich eine Win-win-Situation, wenn sie an einem Wochenarbeitsplatz arbeiten.“
Heinz Begré, Schulleiter Oberstufe Burgdorf

 

“Ich habe den Kontakt zu den LIFT-Coaches gesucht, wir haben guten Kontakt, wir kennen einander, wenn sie ein Problem haben gelangen sie an mich, wenn ich ein Anliegen habe, gelange ich an sie. Der Schulalltag wird überhaupt nicht belastet.”
Daniel Bürge, Oberstufenlehrer Bern

 

“Uns war sehr willkommen, mit dem Gewerbe Kontakte zu knüpfen. Als wir uns über das LIFT-Projekt genauer informiert haben und erfahren haben, dass dabei auch an den Sozialkompetenzen und persönlichen Eigenschaften der Schüler gearbeitet wird, hat uns dies sehr motiviert, einzusteigen.”

Christof Enz, Schulleiter Wangen-Brüttisellen